KI-Videos – Die Zukunft von B- und C-Commercials?

Da sitz ich letzte Woche, überlege, wie ich unseren VVV (Verkehrs- und Verschönerungs-Verein) beim Vertrieb des neuen 2026er-Kalenders mit 11 meiner Reeser Fotomotive (Eigenwerbung!) mit humorvoller Werbung unterstützen kann.

Der Kalender ist ein langjähriges Herzensprojekt der VVVler. Vergleichsweise kostengünstig produziert, bringt er doch einiges für die sozialen Projekte in die Kasse und erfreut jedes Jahr immer wieder viele Reeser Bürger.

Da ich mir KI-seitig das neue Sora2, das neue KI-Video-Generierungstool von OpenAI, eh mal anschauen wollte, und mir ein paar lustig verrückte Ideen im Kopf rumschwirrten, dachte ich mir: Verbinde das eine mit dem anderen.

Also erste KI-Videos gebaut. Prompting ist alles, das weiß ich von vielen anderen KI-Anwendungen. Also auch hier. Die Fachleute für Video-KI auf deren Kanälen konsultieren, von ihrem Prompting lernen. Und immer wieder selbst prüfen. Kurze Prompt, lange Prompts, humorvoll, lustig.

Und tatsächlich: Es funktioniert. Irgendwie.

Nur merkt man beim zweiten Hinsehen, wie groß dieses „irgendwie“ eigentlich ist. Freude, 99% perfektes Video, und dann reißt am Ende die Audiospur ab, mitten im Satz. Das bis dahin erstaunlich perfekte Lip-Sync endet im Nichts.

Remix, Bearbeitungs-Post, die Neu-Generierung produziert bei gleichem Prompt etwas ganz anderes. Also nochmals ans Prompting, genauere Anweisung, teilweise von KI generiert. Ergebnis:

Nö.

Immer noch: Details, die verrutschen. Gesten, die seltsam wirken. Irgendwas passt meist nicht. Ist nicht wirklich rund und stimmig. Vielleicht ist mein Anspruch ja zu hoch. Ja, vermutlich ist es das.

Und für die Anderen? Aktuell sorgen die kleinen Clips für Erheiterung, in Ihrer Koexistenz von anscheinendem produktiven Aufwand und gleichzeitiger Unperfektion.

– Was muss ein echter, ggf. abendfüllender Spielfilm Aufwand sein? Ein solcher 10 Sekunden-Clip lokal hergestellt, wäre mindestens zwei, drei Tage Planung, Besorgung, Setbau, Durchführung –

Ich stelle mir vor: Wenn zukünftig jegliche Werbung nur noch in solcher schneller Unvollkommenheit daher kommt, schaut dann wirklich noch jemand hin? Dann ist´s doch nicht mehr lustig, oder?

Und wieder kommt ein altbekannter Gedanke hoch: Ziehen wir damit letztendlich nicht unsere Qualität auf Dauer runter?

Wieder gilt: Man kann sich nicht gegen 0,00 sparen. Nur weil etwas plötzlich einfacher geht, darf es nicht gleichzeitig auch nichts mehr kosten. Wenn ich drei Tage Arbeit an  Produktionsvorbereitung und Durchführung spare, sollte man nicht meinen, dass man mit 50 Euro Tool- und Rechnerkosten pro Clip jetzt erstklassige Werbung erzeugen kann.

Die kleinen Clips zum VVV-Kalender faszinieren aktuell vielleicht von der Idee und vom Witz dahinter, also von der Kreativität. Und ggf. reicht es auch für das schnelle Konsumieren auf Instagram oder TikTok. Aber wollen wir das wirklich? Funktioniert Werbung, funktioniert die Welt heute wirklich so?

Auf eines sollten wir uns vorbereiten: So wie B-Movies in die Filmwelt einzogen, werden wir auch zukünftig B- und C-Commercials zu sehen bekommen. Inflationär ist meine Prophezeiung. Denn jeder kann, für wenig Geld.

Aber Roger Corman ist ja auch weltberühmt geworden.

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